Der US-Dollar verzeichnete einen spürbaren Rückgang und erreichte seinen tiefsten Stand seit drei Jahren, inmitten der Markterwartung bezüglich der Wahl des nächsten Vorsitzenden der Federal Reserve durch Präsident Donald Trump. Diese Bewegung spiegelt eine breitere Marktsensibilität gegenüber dem wahrgenommenen präsidentiellen Einfluss auf die Unabhängigkeit der Zentralbank wider, einem Eckpfeiler der wirtschaftlichen Stabilität.
Am Donnerstag fiel der U.S. Dollar Index des Wall Street Journal, der die Wertentwicklung des Dollars gegenüber 16 ausländischen Währungen misst, auf 97,01, bevor er sich leicht auf 97,07 erholte. Dieser Rückgang folgte einem Bericht des Journal, der darauf hindeutete, dass Präsident Trump eine frühzeitige Ankündigung für den Nachfolger des derzeitigen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell in Erwägung zieht, dessen Amtszeit nächstes Jahr endet.
Präsidentielle Kritik und Marktreaktion
Präsident Trump hat durchweg starke Kritik an Vorsitzendem Powell und der Geldpolitik der Federal Reserve geäußert, insbesondere deren Haltung zu Zinssätzen. Diese öffentlichen Äußerungen, einschließlich persönlicher Angriffe, haben bei Marktteilnehmern Bedenken hinsichtlich der Autonomie der Fed geweckt. David Rubenstein, Mitbegründer der Carlyle Group, artikulierte diese Haltung und stellte fest, dass die Märkte im Allgemeinen eine unabhängige Federal Reserve bevorzugen. Er betonte, dass die Unabhängigkeit der Fed seit ihrer Gründung ein entscheidendes Bollwerk des US-Wirtschaftssystems war, und jede Wahrnehmung einer geschwächten Unabhängigkeit den Dollar tendenziell schwächt.
Die Entscheidungsträger der Federal Reserve haben wirtschaftliche Unsicherheiten, darunter solche im Zusammenhang mit der Handelspolitik und potenzieller Inflation durch Zölle, als Schlüsselfaktoren angeführt, die ihre Entscheidungen zur Beibehaltung des Leitzinses für die Federal Funds beeinflussen. Die Fed hat die Zinsen über vier aufeinanderfolgende Sitzungen in einem Bereich von 4,25 % bis 4,5 % konstant gehalten, eine Position, die sie seit ihrer letzten Zinssenkung im Dezember beibehalten hat. Das nächste geldpolitische Treffen ist für Ende Juli angesetzt.
Spekulationen über die Nachfolge und politische Implikationen
Berichte legen nahe, dass Präsident Trump seinen Kandidaten für den Fed-Vorsitz bereits im September oder Oktober nennen könnte. Zu den prominenten Personen, die angeblich für die Rolle in Betracht gezogen werden, gehören der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh, der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats Kevin Hassett, Finanzminister Scott Bessent, der ehemalige Weltbankpräsident David Malpass und Fed-Gouverneur Christopher Waller. Eine frühzeitige Ankündigung könnte dem mutmaßlichen zukünftigen Vorsitzenden die Möglichkeit geben, seinen geldpolitischen Ansatz zu signalisieren, bevor die Amtszeit von Vorsitzendem Powell offiziell endet.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass geldpolitische Entscheidungen kollektiv von den stimmberechtigten Mitgliedern des Vorstands getroffen werden, nicht allein vom Vorsitzenden. Daher bleibt das Ausmaß, in dem ein zukünftiger Vorsitzender geldpolitische Schritte unilateral beeinflussen könnte, bevor er das Amt formell antritt, Gegenstand der Analyse. Die Amtszeit von Vorsitzendem Powell als Fed-Vorsitzender soll Mitte Mai 2026 enden, obwohl seine Amtszeit als Mitglied des Gouverneursrats der Fed bis Januar 2028 reicht. Powell hat sich bislang nicht zu seinen Plänen nach dem Vorsitz geäußert und konzentriert sich stattdessen auf die unmittelbaren geldpolitischen Herausforderungen.